Ein dunkler Platz in einer kalten Novembernacht in Greifswald.
Das Leben des Obdachlosen Eckard Rütz wird auf brutale Weise beendet.
Heute, zehn Jahre später, erinnert dort eine Gedenktafel an diese Tat.

Eckard Rütz musste sterben, weil er nach Meinung eines Täters „dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche gelegen habe.“ Im Gerichtssaal berichteten die drei jungen Erwachsenen völlig gefühllos und kalt von den Geschehnissen in der Nacht vom 24. auf den 25. November 2000. „Wir wollten ihm nur eine Lektion erteilen. Dabei haben wir ihn leider tot gehauen.“, so Maik J. Nachdem sie Eckard Rütz bei der Mensa erblickten, schlugen sie mit armdicken Baumstützpfählen mehrmals auf seinen Kopf ein, bis er sich nicht mehr bewegte. Wenig später kehrten sie zurück. Sie hatten Angst bekommen, dass er eine Anzeige machen könnte. Also traten sie erneut zu. Eckard Rütz starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Selbst erfahrene Richter und Gerichtsmediziner waren von der Brutalität der Tat zutiefst schockiert. Der Schädel des Opfers war so zertrümmert, dass er während der Obduktion auseinander fiel.

Die Urteile fielen dennoch relativ mild aus. Die beiden 16-jährigen Maik J. und Marcel L. wurden zu Strafen von sieben bzw. siebeneinhalb Jahren verurteilt. Maik D. (21) musste eine 10- jährige Haftstrafe antreten.
Die Reaktionen in Greifswald auf diesen nunmehr zweiten Obdachlosenmord innerhalb eines Jahres waren erschreckend zurückhaltend. Hatte Klaus Gereckes gewaltsamer Tod am 24. Juni 2000 noch die ganze Stadt in Aufruhe versetzt, geriet der Mord an Eckard Rütz schnell in Vergessenheit. Kein offizielles Begräbnis, keine Gedenkkundgebung, kein Gedenkstein … Man schien von vornherein, wohl auch im Hinblick auf das schon angekratzte Image, kein großes Interesse an einer nachhaltigen Aufarbeitung der Morde zu haben. Der ausgerufene „Aufstand der Anständigen“, der in Greifswald zeitweilig bis zu 7000 Menschen gegen rechtsextreme Demonstrationen auf die Straße brachte, ebbte nach kurzer Zeit genauso schnell wieder ab, wie er aufgekommen war.

Seit dem 24. November 2000 sind nun fast zehn Jahre vergangen, die Morde mittlerweile so gut wie vergessen und das gesellschaftliche Klima, aus dem heraus diese Taten begangen wurden, hat sich wenig verändert. Die Täter, keine organisierten Rechtsextremen, bedienten sich zur Begründung ihrer Tat jener diskriminierenden und menschenverachtenden Rhetorik, die leider auch in Teilen der Bevölkerung fest verankert ist. Gerade im Hinblick auf die Ergebnisse der Landtagswahl, wäre eine intensive Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und eine vielfältige Erinnerungskultur mehr als nötig. Stattdessen trampeln über 60.000 NPD-Wähler auf den Gräbern der zahlreichen Opfer rechter Gewalt umher.

Deshalb ist es unser Ziel, einen dauerhaften Ort des Gedenkens für den, vor zehn Jahren ermordeten, Eckhard Rütz zu schaffen und sich für eine nachhaltige Gedenkkultur einzusetzen. Wir rufen Euch auf, mit uns die Erinnerung an Eckard Rütz und Klaus Dieter Gerecke wach zu halten und die Mauer des Schweigens und Vergessens zu brechen.